Eibe
Säulen-Eibe - Taxus baccata
Bamberg, Vorderer Bach 8: Eine ungewöhnlich dickstämmige Eibe gedeiht im Garten unterhalb der Nagelkapelle des Domes
Standort: Bamberg, Vorderer Bach 8 (ehemaliges Kunigunden-Werkamt)
Alter: ca. 180 Jahre alt.
Merkmale:
   meist strauchförmig, als Baum meist mehrwipfelig; Ausnahme: Säulen-Eibe (Taxus baccata var. fastigiata); diese besitzt einen einheitlichen Stamm und eine hohe Krone (Gesamthöhe: bis 20 m) und wurde 1780 in zwei Exemplaren in Irland gefunden. Alle heutigen Säulen-Eiben sollen durch Stecklingsvermehrung aus diesen beiden Bäumen gezogen worden sein. - Die Eibe im Garten von Vorderer Bach 8 dürfte auf Grund ihrer Mächtigkeit zu den ältesten Säulen-Eiben zählen.
   Nadeln: ähnlich wie bei der Tanne in Zweierreihen angeordnet, jedoch unterseits hellgrün (ohne graue Wachsstreifen) und am Ende stachelspitzig
   Rinde rotbraun, löst sich in Blättern vom Stamm ab
   Same mit rotem, essbaren Samenmantel (Arillus); Reife im Herbst.
Diese Zeichnung eines Eibenzweiges zeigt die "Beeren"; in Wirklichkeit handelt es sich nicht um Beerenfrüchte, sondern um Samen, die mit einem roten Mantel (Arillus) ausgestattet sind. Dieser stellt den einzigen nichtgiftigen Teil der Eibenpflanze dar und lockt Vögel an, die die Samen nach der Darmpassage verbreiten. (Abb. veränd. aus THOMÉ, O. W.: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gera, 1885.)

Verbreitung:
Gebirgsareale in Europa; in Silikatgebirgen selten oder fehlend; Hauptvorkommen: Mitteleuropa (ähnlich der Buche, jedoch mit größeren Lichtansprüchen). Inselvorkommen auch in den Gebirgen am Schwarzen Meer und im Kaukasus. - Natürliches Reliktvorkommen in Franken: Wiesenttal zwischen Streitberg und Gößweinstein.
Bis ins 18. Jahrhundert war die Art wegen Übernutzung und geringer Naturverjüngung (schlechte Samenkeimung!) im Rückgang.

Holz: Dichte bis 0,94 g/cm³ (Holz schwimmt kaum!)

Verwendung:
   Das Eibenholz ist sehr widerstandsfähig und wurde bereits in den Pfahlbauten der Steinzeit in vielfältiger Weise eingesetzt. Man fand Bogen, Messer und Kämme aus Eibenholz: Ötzi, der Gletschermann, der vor etwa 5000 Jahren lebte, trug einen Bogen aus Eibenholz bei sich.
   Grenzpfähle, Rebstöcke
   beliebtes Drechslerholz für Kegelkugeln, Instrumentengriffe oder Wagenräder
Klimatische Ansprüche:
ozeanisch-subozeanisch,  d. h. empfindlich gegenüber strengen Frösten.

Giftigkeit:
Die Eibe ist in allen Teilen mit Ausnahme des roten Samenmantels durch das Alkaloid Taxin giftig (s. u.!).

Name:
Das mittelhochdeutsche iwe bedeutet Bogen oder Armbrust aus Eibenholz. Der Name des Baumes taucht in zahlreichen Namen auf: Der  Bamberger Humanisten Albrecht von Eyb trug den Namen der Eibe ebenso die die Orte Ibach im Schwarzwald und Ibach in der Schweiz (Kanton Schwyz). Auch als Familienname kommt Ibach vor.

Historisches:
Die Eibe ist ein heiliger Baum der Kelten und wird auch heute in den keltischen Regionen (Schottland, Irland, Bretagne) besonders gepflegt, z. B. als Friedhofsbaum. Aus dem Mund eines jeden Toten wächst eine Eibenwurzel, behauptet eine bretonische Sage, und daher wagt man es nicht, große Friedhofseiben zu fällen.
Plinius (1. Jahrhundert) berichtet von den Eiben Galliens, deren Gift bereits dann den Tod bringen könne, wenn man einen Trinkbecher aus ihrem Holz verwende. Ein Bronzenagel, den man in einen Stamm schlage, nehme dem Holz dagegen seine Giftigkeit.
Cäsar erzählt, das Catuvolcus, ein keltischer Herrscher, sich nach dem Sieg der Römer durch das Gift der Eibe getötet habe, von der es in Gallien und Germanien eine große Menge gebe: „Catuvolcus ... taxo, cuius magna in Gallia Germaniaque copia est, se exanimavit.“ („Catuvolcus  nahm sich mit der Eibe, von der es in Gallien und Germanien eine Menge gibt, das Leben.“) [Caesar, De bello Gallico VI, 31,5)]
Bei Shakespeare ist die Eibe der Baum der Trauer: Es ist üblich, einen Eibenzweig ins Leichentuch zu stecken.
Die Eibe ist ein Baum, der bösen Zauber abwehrt, wie ein Volksspruch aus Unterfranken verkündet: „Bei den Eiben kann kein Zauber bleiben.“ Entsprechend galt Eibenholz im 17. und 18. Jahrhundert als Talisman gegen Tollwut: Das Holz wurde in Wasser gekocht und der Sud tollwütigen Hunden oder von diesen gebissenen Menschen verabreicht.
Konrad Gessners Kräuterbuch von 1561 enthält bei der Zeichung der Eibe den Zusatz: „wo die est sind, soll kein ratz od musz blyben im gmach.“ („Wo die Äste sind, soll keine Ratte oder Maus im Gemach bleiben.“)
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