| Knastkinder |
| Am 30. 5.2008 führte die Theatergruppe des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums das Stück Knastkinder von Rüdiger Bertram in der Kirche St. Elisabeth in der Sandstraße auf. Nach drei sehr beeindruckenden und erfolgreichen Vorstellungen im Kaiser-Heinrich-Gymnasium und in der Jugendvollzugsanstalt Ebrach konnten interessierte Besucher das Stück noch einmal in der kleinen Kirche im Sand erleben: |
| Knastkinder in St. Elisabeth |
| Das Jugendtheaterstück von Rüdiger Bertram erzählt die Geschichte des 13-jährigen Jonathan (gespielt von Jonas Stangenberg), der sich während eines Urlaubs auf den Philippinen aus dem Hotel schleicht, weil er keine Lust auf das langweilige Touristenprogramm mit seinen Eltern hat. Durch unglückliche Zufälle, tragische Verwicklungen und einen Überfall durch eine Mädchengang (Caroline Büchner, Susanne Dotterweich, Jennifer Edwards und Kiara Moritz) landet Jonathan schließlich unschuldig im Kindergefängnis. Er erfährt dort hautnah, was weltweit etwa eine Million Kinder erleiden: Ohne Gerichtsverhandlung zu einem menschenunwürdigen Leben in Krankheit, Hunger, Hilflosigkeit und Gewalt verdammt und dabei von der Außenwelt ignoriert und schlichtweg vergessen. Unter den sehr schlechten Bedingungen leidet Jonathan sehr, doch eine ebenfalls einsitzende Kindergang (Paul Geiling, Anne Keilholz und Simon Spindler) hilft ihm, die wochenlange schwere Leidenszeit zu überstehen, und lässt ihn die ausweglose Situation leichter erscheinen. Durch die Hilfe der Gruppe kann er der Gewalt von Mithäftlingen und Wärter (Simon Salzmann) entkommen und ganz nebenbei verliebt er sich auch noch. |
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| Die Aufführung am KHG war Teil eines bundesweiten Projektes mehrerer Kinderrrechts-Organisationen, die auf die Situation der Gefängniskinder aufmerksam machen. Es entstand, nachdem die prominenten Schauspieler Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, vor allem bekannt als Kölner "Tatort"-Kommissare, mit ihrem Verein "Tatort - Straßen der Welt e. V." mehrere Kindergefängnisse in den Philippinen besucht und dort schockierende Zustände vorgefunden hatten. Seitdem engagieren sie sich für ihre Freilassung und eine gute Betreuung nach der Haft. |
| Das Projekt "Knastkinder" bietet eine Stoffvorlage zur eigenen pädagogischen Arbeit im schulischen und außerschulischen Kontext. Tihomir Glowatzky, der Spielleiter der Mittelstufenbühne arbeitete bei seiner Interpretation des Stückes eng mit der Leitung der JVA Ebrach und dem JVA-Seelsorger Hans Lyer zusammen, der das Projekt von Anfang an mit viel Engagement betreute und auch den Grundstein für das Theaterstück gelegt hat. |
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| Regisseur Tihomir Glowatzky |
| So werden in der zweistündigen Aufführung auch die Lebensgeschichten von zwei Häftlingen der JVA Ebrach, natürlich anonymisiert, eingeflochten. Musikalisch untermalt wurde das Stück durch das Percussion-Ensemble des KHG unter Leitung von Johannes Klehr, das ein facettenreiches Programm auf hohem Niveau bot. |
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| Alle 16 Beteiligten des Theaterstückes durften ihre Sprechtexte selbst erstellen und so wurde dem Publikum eine moderne Jugendsprache präsentiert, die so manchen Wortwitz beinhaltete. |
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| Die Gesamtchoreographie wurde durch eine ineinander fließende Musik- und Lichtgestaltung (Moritz Werb, Norbert Schweitzer, Markus Brändlein, Lukas Neiding) zu einem bunten Szenereigen ergänzt. Insgesamt ein sehr gelungener Abend, der zeigt wie engagiert Schüler doch sein können und wie wenig wir eigentlich über das Leben und die Situation von Knastkindern in Entwicklungsländern wissen. Mehr zum Projekt "Knastkinder" unter www.knastkinder.de. |
| (c) Christian Pabstmann (2008) |